Die Gedanken sind nicht frei
4. Februar 2011 | geschrieben von Fanclub-DachverbandImmer wieder sind im Müngersdorfer Stadion Spruchbänder verschiedensten Inhalts zu sehen. Zumeist stellt dies im Rahmen der FC-Spiele kein größeres Problem dar. Doch beim Pokalspiel gegen 1860 München kam es zum Eklat: Einige Plakate, die den Rücktritt Michael Meiers forderten, wurden von den Ordnern abgerissen.
Für die aktive Fanszene sind solche Vorgänge nicht zu akzeptieren – es muss im Stadion die Möglichkeit bestehen, durch Spruchbänder oder ähnliche Aktionen Kritik auch am Führungspersonal des Vereins zu üben. Der FC bat zwar in Person Claus Horstmanns um Entschuldigung für die „Überreaktion“, dennoch bleibt das Grundproblem der fehlenden Meinungsfreiheit im Stadion erhalten. Schwierig ist hierbei sicherlich die Prozedur der Anmeldung der Spruchbänder. So muss der Inhalt drei Tage vor dem Spiel beim FC angemeldet werden – auf aktuelle Themen, insbesondere in einer englischen Woche wie im vorliegenden Fall, angemessen zu reagieren, ist so schier unmöglich. Ebenfalls durften beispielsweise Sponsoren des FC oder die Polizei offiziell nicht Gegenstand der Spruchbänder werden. Mehrmals wurden in der Vergangenheit solchen Themen die Erlaubnis verweigert, um Partner des Vereins nicht zu verprellen. Eine Situation, die sich dringend verändern und verbessern muss. Meinen wir.

Per Spruchband verlieh die Südkurve gegen den HSV ihrem Protest gegen die Zensur Ausdruck
Ein weit verbreitetes Problem
Denn nicht nur in Köln ist Ärger bezüglich Spruchbändern oder Zaunfahnen eher Normalität denn Ausnahme. Auch deswegen kam es im kurz auf die Pokalpartie folgenden Heimspiel gegen den Hamburger SV zu einer Zusammenarbeit zwischen den Fans beider Vereine, die die Vorgänge anprangerte. Getrennt in den Farben, aber vereint in der Sache. Eine erfreuliche Entwicklung, denn immer wieder werden normale Meinungsäußerungen von Vereinen oder Verbänden bei Fußballspielen nicht geduldet. Im Mittelpunkt war hierbei in letzter Zeit die UEFA. Bei Spielen des ehemaligen Landesmeisterpokals bekamen Bayern-Anhänger aus Dachau Probleme mit ihrer Zaunfahne. Grund hierfür war die mit dem Stadtnamen verbundene Geschichte, an der andere Fans Anstoß nehmen könnten. Ebenfalls wurde eine lang vorbereitete Choreographie der Münchner verboten, da ihr Inhalt (eine Anspielung auf die Satire „Das Leben des Brian“) verletzend den Gästen gegenüber wirken würde. Lächerlicher geht es kaum. Meinen wir.
Freiräume im Hochglanzprodukt
Das Ziel ist deutlich zu sehen: Der Fußball soll zu einem telegenen Hochglanzprodukt glattgebügelt werden, das ohne Ecken und Kanten auskommt. Eine freie Meinungsäußerung, die sich kritisch mit Problemen und Entwicklungen auseinandersetzt, ist in den Stadien sichtlich nicht erwünscht. Es liegt daher an uns Fans, weiterhin Freiräume für die Anhängerschaft zu pflegen und einzufordern. Das ist keine leichte Aufgabe, die auch eine gewisse Verantwortung beinhaltet. Meinen wir.