Wat schriev mer en su enem Fall?
14. April 2010 | geschrieben von Fanclub-DachverbandAm vergangenen Wochenende wurde der FC erneut Teil eines Novums in der Bundesliga. Erstmals durfte ein Verein keine Gästekarten an seine Fans verkaufen. Das natürliche Refugium des Auswärtspublikums, der Gästeblock, sollte beim Spiel in Sinsheim komplett leer bleiben. Der FC musste somit gegen den örtlichen Traditionsverein ohne eigenen Anhang antreten. Ganz alleine? Nein, mehrere hundert Unbeugsame ließen es sich nicht nehmen, ihren FC in Sinsheim zu unterstützen.

Während vor Ort das Heimpublikum wie eine Melange aus Tokio Hotel-Konzert, Musikantenstadl und Phantasialand wirkte, waren auch überraschend viele rot-weiße Farbtupfer rund um das Stadion erkennbar. So traurig der Anblick des leeren Gästeblocks den rot-weißen FC-Fans auch anmutete, entmutigen ließ man sich dadurch nicht. Von einer “Jetzt erst recht”-Einstellung beseelt platzierten sich die Kölschen in den Blöcken daneben. Einige Heimfans mussten hierbei den Verlust des erworbenen Sitzplatzes hinnehmen, doch kam es nicht zu Problemen mit den ursprünglich dort vorgesehenen Gastgebern. Erstaunlich diszipliniert, aber auch hochgradig motiviert präsentierte sich der Gästeanhang bereits zu Spielbeginn. Mehrere Zaunfahnen verschiedenster Gruppierungen fanden ebenfalls den Weg in das Stadion. Hierbei ist es durchaus erwähnenswert, dass sich sowohl die Ordnerschaft als auch der grüne “Freund und Helfer” dezent im Hintergrund hielten und somit deeskalierend auftraten. Die zuvor geäußerten Bedenken und Horrorszenarien, die das Erscheinen kölscher Fans betrafen, erwiesen sich als nichtig. Vorbildliches Verhalten, sowohl von Fans wie Ordnungshütern!

Bereits vor Spielbeginn machte sich Rot und Weiß lautstark bemerkbar. Mit den Bannern “Hier sind die Fans, die ihr nicht wollt” und “Für DFB und co. vielleicht ein Schock: Vereinsliebe gibt’s nicht nur um Gästeblock” machte der FC-Anhang klar, dass Verbote und Repressionen kein Hinderungsgrund für die Unterstützung unseres Vereins sind. Auch die Gastgeber kritisierten per Spruchbänder die umstrittene Entscheidung des DFB. Der Gästeanhang nahm dies mit argwöhnischer Heiterkeit zur Kenntnis. Die ganze Partie über gaben die improvisierten Gästeblocks stimmlich Vollgas und diktierten die Atmosphäre im Stadion nach Belieben. Von den Heimfans kam (bis auf mehrere Pfeifkonzerte, das erste davon nach elf Minuten!) gar nichts und spätestens nach dem wunderschönen Führungstreffer durch das FC-Eigengewächs Matuschyk (Gratulation zum 1. Bundesligator, Adam!) war der Gästeanhang oben auf. Unterstützung der eigenen Mannschaft wechselte sich mit der akustischen Ablehnung des Projekts aus der Rhein-Neckar-Region und dessen Mäzen ab. Kurz vor Schluss schoss Matuschyk den FC dann endgültig zum Sieg und die Feierei kannte keine Grenzen.

Aus Fansicht bot sich dann noch ein Highlight: Als die Mannschaft den Fans aus den improvisierten Gästeblocks für ihre großartige Unterstützung dankte, nutzte FC-Idol Lukas Podolski die gebotene Gelegenheit, um eine mitgebrachte “Pyrotechnik ist kein Verbrechen”-Fahne (siehe zu diesem Thema auch hier) zu schwenken. Wahrlich ein schöner Anblick und der krönende Abschluss eines gelungenen Auftritts. Wieder einmal hatte sich eine Auswärtsfahrt gelohnt. Der FC-Anhang hat mehr als deutlich gezeigt, dass die Liebe zum Verein stärker ist als alle Verbote dieser Welt.