Niederlage in letzter Minute

27. April 2010 | geschrieben von Fanclub-Dachverband

Freitagabends um kurz nach 22 Uhr war es auch rechnerisch perfekt: Der 1.FC Köln spielt auch nächste Saison in der 1. Fußball-Bundesliga. Durch die Bochumer Niederlage kann der FC nicht mehr auf einen Abstiegsplatz rutschen. Drei Jahre in Folge in der obersten deutschen Spielklasse – der größte Vereinserfolg seit 13 Jahren. Entscheidend zur Vermeidung des Abstiegskampfs ist die Auswärtsbilanz zu sehen. Die beiden Auswärtssiege in Hannover und Sinsheim waren ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt – nun wollten die FC-Fans auch in Bremen punkten.

FC-Anhang auf dem Weg zum Gästeblock

Nach unspektakulärer Anreise eskortierte die Polizei die Rot-Weißen zum Parkplatz. Dort trafen erstmals Heim- und Gästefans aufeinander. Die Ordnungskräfte verhielten sich trotz einiger kleinerer Vorkommnisse lobenswert zurückhaltend und deeskalierend. Nach einer längerer Zeit der Kontemplation wurde der Weg Richtung Gästeblock angetreten. Penibelst kontrollierte der sonst recht entspannt wirkende Bremer Ordnungsdienst den kölschen Anhang. Hierbei wurden selektiv einzelne FC-Fans zur noch genaueren Kontrolle an die Seite gebeten. Nicht ins Stadion sollte dagegen nach Ansicht der örtlichen Polizei die „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“-Fahne der Coloniacs. Die Nachfrage beim Abschnittsleiter Sicherheit Gästeeingang sowie beim Sicherheitsbeauftragten von Werder Bremen ergab, dass der Verein Werder Bremen kein Problem mit dieser Fahne hat (Danke an dieser Stelle für die Hilfe an Rainer Mendel!), jedoch der Polizei das letzte Wort überlassen wurde. Fragwürdig, dass der Inhaber des Hausrechts keine Einwände hat, aber der Polizei die Entscheidung überlässt. Im sich noch im Umbau befindlichen Weserstadion füllte der kölsche Anhang zahlreich die Gästeblöcke. Der Stehplatzblock im Oberrang gleicht durch die (noch?) vorhandene Zaunkonstruktion eher einer Strafkolonie mitten im Stadion.

Kölner Gästeblock in Bremen

Doch die Position direkt unter dem Dach brachte auch seine Vorteile.  Während der Anhang der Gastgeber nordisch unterkühlt blieb, drückten die FC-Fans auf’s Stimmungspedal. Die Mannschaft dankte es ihnen in der ersten Halbzeit mit einer überraschend engagierten Leistung. War sie doch eher für laissez-faire bekannt, wenn es scheinbar um nichts mehr geht. Podolski vergab freistehend die große Gelegenheit zur Führung, während sich FC-Torwart Kessler (ersetzte den verletzten Mondragon) mehrmals auszeichnen konnte. In der zweiten Halbzeit rückte Kessler noch mehr in den Brennpunkt. Durch großartige Paraden stemmte er sich gegen anstürmende Bremer und den Punktverlust. Unterstützung erfuhr die leidenschaftlich kämpfende FC-Elf, die durch Novakovics Lattenknaller die Riesenchance zur Führung hatte, durch den auswärts wiederholt zur Hochform auflaufenden Gästeblock. Dauergesänge in selten gekannter Lautstärke, sicherlich auch der Lage geschuldet, hallten durch das Weserstadion. Es wäre schön, wenn auch im Müngersdorfer Stadion ein solcher stimmlicher Zusammenhalt herrschen würde. Das grün-weiße Heimpublikum war dagegen kaum bis gar nicht zu vernehmen. Und doch lag der Jubel am Ende auf ihrer Seite: Einen von Geromel verschuldeten Handelfmeter verwandelte Frings in der Nachspielzeit souverän und sorgte somit für den glücklichen, aber letztlich verdienten Heimerfolg der Bremer.

Auf dem Weg aus dem Gästeblock Richtung Busse kam es zum Aufeinandertreffen gefrusteter FC-Fans und dem sichtlich euphorisierten Bremer Anhang. Leider folgten auf beiderseitige Provokationen auch kleinere Scharmützel. Sicherlich ist zu beachten, dass es im Bezug auf Fantrennung rund um das Weserstadion außerordentlich kompliziert ist. Dennoch: Mehr Disziplin innerhalb der Fanszene wäre durchaus angebracht. Gerade nach den letzten Ereignissen sind selbst kleinste Reibereien am Stadion für unsere Anliegen überaus kontraproduktiv. An den eigenen Bussen empfing die rot-weiße Fanschar nach einiger Wartezeit die vor dem Spiel abseits des Stadions in Gewahrsam genommenen Stadionverbotler. Mit endlich kompletter Besatzung, aber leider ohne Punktgewinn ging es für die Kölschen zurück ins gelobte Rheinland.

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