Der Gast als König

4. April 2010 | geschrieben von Fanclub-Dachverband

Sieben Spiele war der 1.FC Köln ohne dreifachen Punktgewinn, seit 22 Jahren sogar in Hannover ohne einen Erfolg. Das hinderte jedoch eine stattliche Anzahl an rot-weißen Anhängern nicht, den FC im vielleicht wichtigsten Spiel der Saison in Niedersachsens Kapitale zu unterstützen.

Dank früher Anreise (und Polizeieskorte zum Stadion) bestand für viele kölsche Fans noch die Möglichkeit, vor dem Gästeblock noch ein Schwätzchen mit den eigenen Mitfans zu halten oder sich am Getränkestand mit kühlen Getränken die Zeit zu vertreiben. Diese völlig friedliche und ruhige Szenerie wurde aus heiterem Himmel durch die Polizei gestört: 30-40 Fans jeglicher Couleur wurden zur Personalienfeststellung auf dem Stadionvorplatz eingekesselt. Auf Nachfrage einiger Fans nach dem in Hannover eingesetzten Konfliktmanager bekamen die Anhänger von verschiedenen Polizisten die Aussage „der Konfliktmanager hat hier weniger zu sagen als jeder Einzelne aus der Hundertschaft“ oder vergleichbares zu hören. Hier ist deutlich festzuhalten, dass das Konzept des Konfliktmanagers in der Praxis noch lange nicht das hält, was die Theorie verspricht. Der nächste Dämpfer aus Fansicht folgte dann am Eingang: Einige Zaunfahnen durften nicht mit ins Stadion genommen werden. Zwar zählt der Gästeblock im Niedersachsenstadion von Sicht und Akustik her zu den Besten in der Bundesliga, leider mangelt es aber an ausreichend Zaunfahnenplätzen.

Deutlich gastfreundlicher ging es dagegen im Niedersachsenstadion zu: Bereits vor Spielbeginn zeigte der Stadion-DJ seine versteckten Sympathien für den FC und ließ die FC-Hymne laufen. Diese Steilvorlage ließ sich der rot-weiße Gästeblock natürlich nicht nehmen und übernahm stimmgewaltig das Zepter im Stadion. Ein großes Dankeschön geht auch an die Fans der Heimkurve, die sich mit einer Spruchbandaktion (“Hansa zeigt wie es richtig geht! FC Köln, steh zu deinen Fans!”) für uns stark machten. Dicker Daumen hoch an dieser Stelle! Noch gastfreundlicher als der Mann am Plattenteller und dem Heimanhang präsentierte sich aber im Verlauf des Spiels die Mannschaft von Hannover 96. Um den FC-Spielern einen hübschen Nachmittag zu ermöglichen, entschloss man sich, den Weg zum Tor möglichst störungsfrei freizuräumen. Insbesondere der Ex-Kölner Hanno Balitsch tat sich hierbei hervor, sein Einsatz für den FC endete in einem sehenswerten Handelfmeter und einer gelb-roten Karte. Spätestens nach dem 4:0 durch Zoran Tosic kannten die FC-Anhänger kein Halten mehr: Eine einzige rot-weiße Party im Gästeblock!

Ähnlich entspannt und gelöst, wie der FC die drei Punkte auf sein Konto hat buchen können, gestaltete sich dann auch die Abreise. Kein Vergleich zu den chaotischen Geschehnissen nach dem letztjährigen Spiel, als die Polizei mit einem maßlos überzogenen Auf(t)ritt sämtliche Deeskalationstaktiken über Bord (und etliche FC-Anhänger zu Boden) warf. Diesmal hielt sich der grün-weiße Anhang bewusst zurück und ließ der Kölner Freude ihren Lauf. Ohne nennenswerte Einschränkungen konnte der Gästeanhang seine ausgesperrten Brüder und Schwestern, derzeit in stattlicher Anzahl vorhanden, begrüßen. Die völlig friedliche rot-weiße Party, die im Gästeblock ihren Anfang nahm, verlagerte sich auf den Rückweg in die gelobte Stadt. Wäre es doch häufiger so!

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