Don’t believe the hype

5. Februar 2009 | geschrieben von Fanclub-Dachverband

Nachdem man sich bereits für die „Football against Racism in Europe”-Kampagne zu einer Choreographie engagiert hatte, war frühzeitig klar, dass man das Spiel gegen den „Traditionsverein” aus dem Kraichgau zu einer Banneraktion nutzen will. All den Hoffenheimer Märchenstunden, die öffentlichkeitswirksam in den Medien bereitwillig breitgetreten wurden, wollte man von Seiten des Dachverbandes ein sichtbares Zeichen entgegensetzen.

Auf der Süd- wie auf der Nordtribüne sollte jeweils im Ober- und im Unterrang gut sichtbar ein Banner zu den Machenschaften der Gäste prangen. Gerade eines wollte man allerdings aus Sicht des Dachverbandes verhindern: Die Banner sollten, insbesondere nach den Erfahrungen der Äußerungen anderer Fanszenen bei Gastspielen in Mannheim, kein persönlicher Angriff auf die Person Hopp werden, sondern Kritik am „Projekt 1899″ darstellen. Die kreativen Köpfe unter den beteiligten Mitgliedern ließen ihre Synapsen glühen, so dass sich schnell vier geeignete Sprüche für die Aktion heraus kristallisierten. Mit Tapete, Farben, Arbeitswillen und künstlerischem Talent versammmelten sich Mitglieder verschiedenster Fanklubs in den altehrwürdigen „Guckuk-Hallen”, die uns dankenswerterweise zur Verfügung gestellt wurden. Und wie die Erfahrung einen lehrt: Wenn viele mit Eifer anpacken, gehen auch solche Aktionen leichter von der Hand.

Fünf Minuten vor Spielbeginn sollte es dann soweit sein, die Spruchbänder wurden präsentiert. Vor dem Unterrang der Südtribüne konnten die 50000 Zuschauer im Müngersdorfer Stadion Franz Kremer: Legende für die Ewigkeit! Dietmar Hopp: Investor auf Zeit! lesen. Die Kritik an der Abhängigkeit eines Bundesligisten von einem Investor, die Degradierung des Fußballs zum Spielzeug von Superreichen, war, ist und bleibt einer der Hauptvorwürfe an das „Projekt 1899″. Auch das Spruchband im Süd-Oberrang ( 1 Dorfverein 8 gesponserte Fans 99 Prozent “Mäzen” – Das nennt ihr Tradition?” ) nimmt diese Kritik an dem seelenlosen Plastikverein aus dem Kraichgau auf. Auch im Norden des Stadions ließ man sich nicht lumpen und konnte trotz einiger Schwierigkeiten, die einem hochgradig volltrunkenen FC-Anhänger geschuldet waren, im Unterrang die Frage nach der Herkunft des „Traditionsvereins” („Tradition seit 1899? Marketing seit 1999! ===>” ) stellen. Das letzte der vier Plakate wurde im Nord-Oberrang gehisst und kritisierte mit einer mathematischen Gleichung („Jeder I-Dotz weiß: 1899 ungleich 50+1″) den Umgang der DFL mit der „50+1″-Regelung, die aus unserer Sicht auch durch das Mäzenatentum eines Dietmar Hopp umgangen wird.

Insgesamt aus der Dachverbandsperspektive ein gelungener Auftritt, der auch in der Presse sein kleines, aber feines Echo fand. Bezeichnenderweise blendete der Hochglanzsender Premiere die Banner und die Kritik an 18,99€ Hoffenheim bei seiner Übertragung des Tiptop-Produkts aus dem Müngersdorfer Stadion völlig aus. Was von der Kritik bei den Adressaten hängen geblieben ist, ist unklar – positive Reaktionen gab es zumindest en masse. Es verbleibt ein Dank an alle Beteiligten der Aktion.

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